Der Laufanfänger Fakten-Check

Einen sicheren Laufanfänger erkennen

Laufen lernen: Vom wackeligen Laufanfänger zum sicheren Läufer

Die ersten freien Schritte deines Kindes sind ein absoluter Meilenstein. Plötzlich wird die Welt aus einer ganz neuen Perspektive erobert! Oft sieht dieser neue Laufstil anfangs noch ziemlich wild und unkoordiniert aus. Aber mach dir keine Sorgen, das ist ein biologisches Meisterwerk in Arbeit.

Lass uns mal schauen, was da im kleinen Körper eigentlich genau passiert.

Schon gewusst?
Fun Facts!

Wenn kleine Kinder das Laufen üben, legen sie ein Pensum hin, das stark an das Training von Profisportlern erinnert. Studien haben hierzu spannende Zahlen ermittelt: 1

Marathon-Minis: Ein Kleinkind macht in der Lernphase durchschnittlich 2368 Schritte pro Stunde.

Ganz schön weit: Dabei legen Laufanfänger in nur einer Stunde fast 700 Meter zurück – das entspricht etwa sieben großen Fußballfeldern!

Echte Stehaufmännchen: Im Schnitt fallen die Kleinen zu Anfang 17 Mal pro Stunde hin. Das stört sie aber gar nicht, sie stehen unermüdlich direkt wieder auf.

Kurze Etappen: Das Laufenlernen ist pures Intervalltraining. Meistens bestehen die Lauf-Phasen nur aus ein bis drei Schritten am Stück.

Wie das Laufenlernen wirklich abläuft

Das Laufenlernen ist ein erstaunlich langer Prozess. Gerade in den ersten Wochen nach den allerersten freien Schritten ist das Laufen noch pures Chaos.

Der Watschelgang: Um die Balance zu halten, nutzen Laufanfänger einen genialen Trick. Sie gehen sehr breitbeinig und machen winzige, schnelle Schritte.4 Zusätzlich halten sie die Arme in der sogenannten „High-Guard-Position“ weit nach oben. Diese verbreiterte Basis sichert das Gleichgewicht, bis die Arme mit zunehmender Übung ganz natürlich neben dem Körper mitschwingen.

Platter Fußaufsatz: Anders als wir Erwachsenen rollen Laufanfänger noch nicht elegant über die Ferse ab. Vielmehr setzen sie den Fuß bei jedem Schritt komplett flach auf den Boden – es „patscht“ förmlich.3 Der Fuß von Laufanfängern bringt dafür eine besondere Eigenschaft mit: Ein schützendes, dickes Fettpolster unter dem Mittelfuß fängt den harten Aufprall dabei wie ein Kissen ab.3

Aus Chaos wird Rhythmus: Mit den ersten freien Schritten sammelt das kindliche Nervensystem viele neue Erfahrungen, die die weitere Entwicklung des Gangs unterstützen. Mit zunehmender Lauferfahrung verändert sich der Gang Schritt für Schritt. Die Bewegungen werden gleichmäßiger, und das Laufen wirkt zunehmend sicherer und natürlicher.2

Checkliste: So erkennst du einen „sicheren Läufer“!

Für den Schuhkauf (und die richtige Passform) ist es extrem wichtig zu wissen, ob dein Kind noch ein unsicherer Anfänger oder schon ein reifer „sicherer Läufer“ ist.

Diese Einstufung ist für den Größenfinder wichtig, denn für noch unsichere Läufer empfehlen wir, die Schuhe tendenziell kürzer zu kaufen. Zu viel Raum im Schuh kann es Laufanfängern erschweren, ihre Schritte kontrolliert auszuführen. Deshalb empfehlen wir in dieser Phase eine besonders gute Passform.5

Studien zeigen, dass sich der kindliche Gang noch über viele Monate weiterentwickelt. Für die praktische Einordnung als „sicherer Läufer“ hat sich jedoch bewährt, mindestens etwa 8 Wochen freie Lauferfahrung abzuwarten und zusätzlich auf die typischen Merkmale eines sicheren Läufers zu achten.

Mit dieser kleinen Checkliste erkennst du sofort, ob dein Kind die wackelige Anfänger-Phase verlassen hat:

Checkliste „sicherer Läufer“

✅ Dein Kind läuft inzwischen seit mindestens 8 Wochen frei und ohne Hilfe.
✅ Die Arme schwingen entspannt neben dem Körper mit (und werden nicht mehr zur Balance steif nach oben gerissen).
✅ Das Kind kann richtig rennen und dann gezielt abstoppen.
✅ Es kann mühelos Kurven laufen und schnell die Richtung wechseln.
✅ Es geht kleine Stufen völlig freihändig rauf und runter.
✅ Es „patscht“ nicht mehr bei jedem Schritt flach mit dem Fuß auf den Boden, sondern der Fuß federt den Schritt geschmeidig ab.
✅ Der Gang ist schmaler geworden und das Kind läuft nicht mehr extrem breitbeinig.

Fazit: Solange dein Kind nicht alle Checks „besteht“, braucht es Schuhe, die sehr gut am Fuß sitzen und nicht zu lang sind. Zu viel Platz vorne im Schuh kann bei Laufanfängern dazu führen, dass sie häufiger über den Schuh stolpern. Das wollen wir vermeiden!

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Wissenschaftliche Quellen:

[1] Adolph, K. E., Cole, W. G., Komati, M., Garciaguirre, J. S., Badaly, D., Lingeman, J. M., Chan, G. L., & Sotsky, R. B. (2012). How do you learn to walk? Thousands of steps and dozens of falls per day. Psychological Science, 23(11), 1387-1394.
[2] De Bartolo, D., Zandvoort, C. S., Goudriaan, M., Kerkman, J. N., Iosa, M., & Dominici, N. (2022). The Role of Walking Experience in the Emergence of Gait Harmony in Typically Developing Toddlers. Brain Sciences, 12(2), 155.
[3] Zeininger, A., Schmitt, D., Jensen, J. L., & Shapiro, L. J. (2018). Ontogenetic changes in foot strike pattern and calcaneal loading during walking in young children. Gait & Posture, 59, 18-22.
[4] Hallemans, A., De Clercq, D., & Aerts, P. (2006). Changes in 3D joint dynamics during the first 5 months after the onset of independent walking: A longitudinal follow-up study. Gait & Posture, 24(3), 270-279.
[5] Puszczalowska-Lizis, E., Lukasiewicz, A., Lizis, S., & Omorczyk, J. (2021). The impact of functional excess of footwear on the foot shape of 7-year-old girls and boys. PeerJ, 9, e11277.